Nebenwirkungen
Nebenwirkungen der Abnehmspritze: was häufig ist und wann du ärztliche Hilfe brauchst
Übelkeit und andere Magen-Darm-Beschwerden sind die häufigsten Nebenwirkungen von GLP-1-Medikamenten. Hier steht, was die offiziellen Packungsbeilagen dazu sagen, welche Warnzeichen ernst sind und wie du Beschwerden für das Arztgespräch festhalten kannst.
Kurz gesagt
- Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung sind sehr häufig, vor allem am Anfang und nach Dosissteigerungen.
- Starke, anhaltende Bauchschmerzen, allergische Reaktionen oder plötzliche Sehstörungen sind Warnzeichen: dann sofort ärztliche Hilfe holen.
- Nebenwirkungen kannst du selbst unter nebenwirkungen.bund.de melden.
Ersetzt keine ärztliche Beratung. Dieser Artikel informiert allgemein. Er ersetzt keine Beratung durch deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Apotheke und ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel oder eine Dosis. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden wende dich an deine Praxis oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall an die 112.
Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Die meisten Beschwerden betreffen Magen und Darm. In der Gebrauchsinformation von Wegovy (Semaglutid) stehen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen sowie Schwäche oder Müdigkeit unter „sehr häufig“, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten.[1] Bei Mounjaro (Tirzepatid) sind Übelkeit und Durchfall sehr häufig, beim Gewichtsmanagement zusätzlich Bauchschmerzen, Erbrechen und Verstopfung.[2]
Nach Angaben des Herstellers Lilly hatten in den Studien zum Gewichtsmanagement etwa 6 von 10 Menschen Magen-Darm-Beschwerden, meist leicht bis mittelschwer.[3] Beide Gebrauchsinformationen beschreiben, dass diese Beschwerden vor allem in der Anfangszeit und bei Dosissteigerungen auftreten und mit der Zeit meist nachlassen.[1][2]
| Häufigkeit (laut Packungsbeilage) | Beispiele |
|---|---|
| Sehr häufig (mehr als 1 von 10) | Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerzen; bei Wegovy auch Kopfschmerzen, Schwäche oder Müdigkeit[1][2] |
| Häufig (bis 1 von 10) | Schwindel, Verdauungsstörungen, Aufstoßen, Blähungen, Sodbrennen/Reflux, Haarausfall, Reaktionen an der Einstichstelle, bei Wegovy auch Gallensteine und Geschmacksveränderungen[1][2] |
| Gelegentlich (bis 1 von 100) | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis)[1][2] |
| Selten bis sehr selten | Schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie); bei Wegovy sehr selten eine Schädigung des Sehnervs (NAION)[1][2] |
Die Liste ist nicht vollständig. Maßgeblich ist immer die Packungsbeilage deines Arzneimittels.
Welche Warnzeichen solltest du ernst nehmen?
Sofort ärztliche Hilfe holen bei
- starken, anhaltenden Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können, mit oder ohne Erbrechen. Das kann auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hinweisen.[1][2]
- Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion wie Schwellungen im Gesicht oder Rachen, Atemnot oder Kreislaufprobleme.[1][2]
- plötzlicher Verschlechterung des Sehvermögens. Die Wegovy-Packungsbeilage nennt hier ausdrücklich, dass du dich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt wenden sollst.[1]
- Zeichen von Flüssigkeitsmangel bei starkem Erbrechen oder Durchfall, etwa sehr wenig Urin, Schwindel oder starke Schwäche. Flüssigkeitsverlust kann die Nieren belasten.[1]
Nachts und am Wochenende erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall die 112.
Wer zusätzlich Insulin oder einen Sulfonylharnstoff gegen Typ-2-Diabetes nimmt, hat laut beiden Gebrauchsinformationen ein höheres Risiko für Unterzuckerungen.[1][2] Steht eine Operation oder Untersuchung unter Narkose oder tiefer Sedierung an, sag dem Behandlungsteam vorher, dass du ein GLP-1-Medikament verwendest.[1][4]
Was kannst du bei Übelkeit selbst beachten?
Lilly nennt für Magen-Darm-Beschwerden unter anderem diese allgemeinen Hinweise:[3]
- langsam essen und auf Sättigungssignale achten,
- kleinere Portionen wählen,
- sehr fettreiche Mahlzeiten meiden,
- ausreichend trinken, vor allem bei Erbrechen oder Durchfall.
Ein Konsenspapier spanischer Fachleute fasst für Behandelnde zusammen, wie sich Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung unter GLP-1-Rezeptoragonisten vermeiden oder lindern lassen, auch mit Blick auf die Dosissteigerung.[7] Ob und wie deine Behandlung angepasst wird, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Ändere Dosis oder Rhythmus nicht eigenständig.
Warum es hilft, Beschwerden aufzuschreiben
Beim nächsten Termin fällt es oft schwer, sich zu erinnern, an welchen Tagen die Übelkeit da war und wie stark sie war. Kurze Notizen helfen: Datum, Beschwerde, Stärke auf einer einfachen Skala, und was du an dem Tag gegessen oder getrunken hast. So lässt sich gemeinsam mit der Praxis besser einordnen, ob sich etwas über die Wochen bessert. Mehr dazu findest du im Artikel Erfahrungen und Verlauf dokumentieren.
Wie meldest du eine Nebenwirkung?
Neben deiner Praxis oder Apotheke kannst du Verdachtsfälle auch selbst melden. In Deutschland geht das online über das gemeinsame Meldeportal von BfArM und Paul-Ehrlich-Institut unter nebenwirkungen.bund.de.[5][6] Die Packungsbeilagen weisen ausdrücklich auf diese Möglichkeit hin.[1][2]
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Übelkeit bei der Abnehmspritze?
Laut den Packungsbeilagen von Wegovy und Mounjaro treten Magen-Darm-Beschwerden vor allem zu Beginn und bei Dosissteigerungen auf und lassen bei den meisten Menschen mit der Zeit nach. Wie es bei dir verläuft, besprichst du am besten mit deiner Praxis.
Welche Nebenwirkungen sind gefährlich?
Starke, anhaltende Bauchschmerzen (möglicherweise mit Ausstrahlung in den Rücken), Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion, plötzliche Sehstörungen und Zeichen von starkem Flüssigkeitsmangel. In diesen Fällen sofort ärztliche Hilfe holen, im Notfall die 112 anrufen.
Kann ich Nebenwirkungen selbst melden?
Ja. In Deutschland kannst du Verdachtsfälle online unter nebenwirkungen.bund.de melden, dem Portal von BfArM und Paul-Ehrlich-Institut. Auch deine Praxis oder Apotheke kann die Meldung übernehmen.
Kann Fermo mir sagen, ob eine Beschwerde normal ist?
Nein. Fermo ist ein Tagebuch, kein Medizinprodukt. Die App bewertet keine Beschwerden und gibt keine Dosis- oder Behandlungsempfehlungen. Sie hilft dir nur, deine eigenen Beobachtungen festzuhalten und mitzunehmen.
Quellen
Alle Links abgerufen am 25.10.2026.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Wegovy, Produktinformation inkl. Gebrauchsinformation (deutsch). www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/wegovy-epar-product-information_de.pdf
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Mounjaro, Produktinformation inkl. Gebrauchsinformation (deutsch). www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/mounjaro-epar-product-information_de.pdf
- Lilly Medical Information: Wie häufig sind bei Mounjaro Nebenwirkungen an Magen und Darm und was kann man dagegen tun? (zuletzt geprüft von Lilly am 16.06.2026) medical.lilly.com/de/patient/answers/wie-h-ufig-sind-bei-mounjaro-tirzepatid-nebenwirkungen-an-magen-und-darm-und-was-kann-man-dagegen-tun-197031
- EMA: Wegovy, Fachinformation (Abschnitt 4.4, Aspiration bei Allgemeinanästhesie oder tiefer Sedierung), im selben Dokument wie Quelle 1. www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/wegovy
- BfArM und Paul-Ehrlich-Institut: Meldeportal für Verdachtsfälle von Nebenwirkungen. nebenwirkungen.bund.de
- BfArM: Risiken melden. www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Risiken-melden/_node.html
- Gorgojo-Martínez JJ et al. Clinical recommendations to manage gastrointestinal adverse events in patients treated with GLP-1 receptor agonists: a multidisciplinary expert consensus. J Clin Med. 2023;12(1):145. doi:10.3390/jcm12010145. doi.org/10.3390/jcm12010145