Vergleich
Ozempic oder Mounjaro? Ozempic vs. Mounjaro vs. Wegovy im neutralen Vergleich
Ozempic oder Mounjaro: Die Frage taucht oft auf, ist aber schief gestellt. Die beiden Medikamente haben verschiedene Wirkstoffe und verschiedene Zulassungen. Hier steht, was die Fachinformationen sagen.
Kurz gesagt
- Ozempic (Semaglutid) ist nur für Typ-2-Diabetes zugelassen, nicht zum Gewichtsmanagement.
- Mounjaro (Tirzepatid) wirkt auf GIP- und GLP-1-Rezeptoren und ist für Typ-2-Diabetes und Gewichtsmanagement zugelassen.
- Beide werden einmal wöchentlich gespritzt; welches infrage kommt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Ersetzt keine ärztliche Beratung. Dieser Artikel informiert allgemein. Er ersetzt keine Beratung durch deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Apotheke und ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel oder eine Dosis. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden wende dich an deine Praxis oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall an die 112.
Die kurze Antwort
Ozempic und Mounjaro werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber verschiedene Arzneimittel mit unterschiedlichen Wirkstoffen und Zulassungen. Der wichtigste Unterschied: Ozempic ist nur zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, nicht zum Gewichtsmanagement.[1] Mounjaro ist für Typ-2-Diabetes und zum Gewichtsmanagement zugelassen.[2] Welches Arzneimittel für dich infrage kommt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Dieser Artikel vergleicht die beiden neutral anhand der Fachinformationen. Er sagt nicht, welches „besser“ ist, denn das hängt von deiner Diagnose, deinen Vorerkrankungen und weiteren Faktoren ab.
Vergleich nach Fachinformation
| Ozempic | Mounjaro | |
|---|---|---|
| Wirkstoff | Semaglutid[1] | Tirzepatid[2] |
| Hersteller | Novo Nordisk[4] | Eli Lilly[5] |
| Wirkprinzip | GLP-1-Rezeptoragonist[1] | Dualer GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist[2] |
| Zugelassene Anwendungsgebiete | Unzureichend kontrollierter Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen, zusätzlich zu Diät und Bewegung[1] | Unzureichend eingestellter Typ-2-Diabetes (Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 10 Jahren) sowie Gewichtsmanagement bei Erwachsenen mit BMI ab 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung[2] |
| Anwendung | Injektion unter die Haut, einmal wöchentlich[1] | Injektion unter die Haut, einmal wöchentlich[2] |
| Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 10) | Übelkeit, Durchfall; Unterzuckerung bei gleichzeitiger Anwendung mit Insulin oder Sulfonylharnstoff[1] | Übelkeit, Durchfall; im Gewichtsmanagement zudem Erbrechen, Bauchschmerzen und Verstopfung; Unterzuckerung bei gleichzeitiger Anwendung mit Insulin oder Sulfonylharnstoff[2] |
| Kassenstatus (GKV) | Bei Typ-2-Diabetes verordnungsfähig[6] | Bei Typ-2-Diabetes verordnungsfähig; zum Gewichtsmanagement von der Erstattung ausgeschlossen (Lifestyle-Liste)[7][8] |
| Schwangerschaft | Absetzen mindestens 2 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft[1] | Absetzen mindestens 1 Monat vor einer geplanten Schwangerschaft[2] |
Vereinfachte Darstellung, Stand 25.10.2026. Vollständige Angaben, Gegenanzeigen und Warnhinweise stehen in der jeweiligen Fachinformation und Packungsbeilage.
Semaglutid und Tirzepatid: der Unterschied im Wirkprinzip
GLP-1 ist ein Hormon, das der Darm nach dem Essen ausschüttet. Semaglutid ahmt seine Wirkung nach: Es hilft bei Typ-2-Diabetes, den Blutzucker zu senken, und wirkt auf Appetit und Sättigung.[1] Tirzepatid aktiviert zusätzlich den Rezeptor für GIP, ein weiteres Darmhormon. Deshalb spricht man von einem dualen Agonisten.[2] Was das im Einzelfall bedeutet, lässt sich aus dem Wirkprinzip allein nicht ableiten.
Darreichungsformen und Stärken
Ozempic gibt es laut Produktinformation als Fertigpen (zum Teil auch als Fertigspritze) in den Stärken 0,25 mg, 0,5 mg, 1 mg und 2 mg.[1] Mounjaro gibt es als KwikPen, der vier Dosen abgibt, in Stärken von 2,5 mg bis 15 mg; die Produktinformation listet außerdem Durchstechflaschen.[2] Beide werden schrittweise gesteigert, wie in der jeweiligen Fachinformation beschrieben. Die mg-Angaben der beiden Wirkstoffe lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen, weil es verschiedene Moleküle sind. Welche Stärke wann infrage kommt, legt ausschließlich deine Ärztin oder dein Arzt fest.
Was beide gemeinsam haben
Trotz der Unterschiede gibt es viele Gemeinsamkeiten in den Fachinformationen:[1][2]
- Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall sind bei beiden sehr häufig und treten vor allem zu Beginn auf.
- Akute Pankreatitis ist bei beiden als mögliche, ernste Nebenwirkung beschrieben. Starke, anhaltende Bauchschmerzen brauchen sofort ärztliche Hilfe.
- Gallenblase: Gallensteine sind bei beiden aufgeführt.
- Unterzuckerung: Das Risiko steigt bei beiden, wenn gleichzeitig Insulin oder ein Sulfonylharnstoff angewendet wird.
- Flüssigkeitsverlust: Erbrechen und Durchfall können zu Flüssigkeitsverlust führen; ausreichend trinken ist wichtig.
- Narkose: Weil sich die Magenentleerung verzögert, weisen beide Fachinformationen auf ein mögliches Aspirationsrisiko bei Vollnarkose oder tiefer Sedierung hin.
Für Semaglutid nennt die Ozempic-Fachinformation zusätzlich zwei Punkte rund um die Augen: Bei diabetischer Retinopathie und gleichzeitiger Insulinbehandlung wurde ein erhöhtes Risiko für Komplikationen beobachtet. Außerdem deuten epidemiologische Daten auf ein erhöhtes Risiko für eine Schädigung des Sehnervs (NAION) hin; bei plötzlichem Sehverlust ist eine augenärztliche Untersuchung nötig.[1]
Mehr zu Nebenwirkungen und Warnzeichen steht im Artikel Nebenwirkungen der Abnehmspritze.
Studien zu Herz und Nieren in den Fachinformationen
Bei Typ-2-Diabetes geht es nicht nur um den Blutzucker, sondern auch um Herz, Gefäße und Nieren. Beide Fachinformationen beschreiben in Abschnitt 5.1 große Endpunktstudien:
- Ozempic: SUSTAIN 6 untersuchte über 104 Wochen 3 297 Menschen mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko. Die Nierenstudie FLOW schloss 3 533 Menschen mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung ein.[1]
- Mounjaro: SURPASS-CVOT untersuchte kardiovaskuläre Ereignisse bei 13 299 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes; Vergleichspräparat war dabei Dulaglutid, nicht Semaglutid. Zusätzlich beschreibt die Fachinformation Studien zu obstruktiver Schlafapnoe und zu Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF).[2]
Die Studien hatten unterschiedliche Teilnehmende, Vergleichsgruppen und Zielgrößen. Ihre Ergebnisse lassen sich deshalb nicht gegeneinander aufrechnen. Ob Herz-, Nieren- oder andere Begleiterkrankungen bei der Wahl eine Rolle spielen, bewertet deine Ärztin oder dein Arzt anhand deiner Befunde.
Wechsel zwischen den Präparaten
Manchmal wird über einen Wechsel nachgedacht, etwa wegen Nebenwirkungen, Lieferproblemen oder einer veränderten Diagnose. Weil Semaglutid und Tirzepatid verschiedene Wirkstoffe sind, gibt es keine einfache Umrechnung der Stärken. Ein Wechsel ist immer eine ärztliche Entscheidung. Wechsle nicht eigenständig und nimm nie zwei Präparate dieser Gruppe gleichzeitig ohne ärztliche Anweisung. Hilfreich für das Gespräch ist ein dokumentierter Verlauf: welche Stärke seit wann, welche Beschwerden, wie stark. Wie das geht, steht unter Abnehmspritze-Tagebuch: Verlauf dokumentieren.
Wegovy vs. Mounjaro
Wegovy enthält denselben Wirkstoff wie Ozempic, Semaglutid, ist aber zum Gewichtsmanagement zugelassen.[3] Wer Mounjaro im Zusammenhang mit Gewichtsmanagement mit einem Semaglutid-Präparat vergleichen will, schaut also in der Regel auf Wegovy vs. Mounjaro und nicht auf Ozempic vs. Mounjaro. Auch hier gilt: Die Übersicht ist neutral und keine Rangfolge.
| Wegovy | Mounjaro | |
|---|---|---|
| Wirkstoff | Semaglutid (GLP-1-Rezeptoragonist) | Tirzepatid (GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist) |
| Gewichtsmanagement zugelassen | Ja, für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren | Ja, für Erwachsene |
| Typ-2-Diabetes zugelassen | Nein (dafür gibt es Ozempic und Rybelsus) | Ja |
| Darreichungsform | Fertigpen einmal wöchentlich, seit 2026 auch Tablette einmal täglich | KwikPen oder Durchstechflasche, einmal wöchentlich |
| Kasse beim Gewichtsmanagement | In der Regel Selbstzahlung, weil Arzneimittel zur Gewichtsreduktion gesetzlich von der Verordnung zulasten der GKV ausgeschlossen sind | |
Vereinfachte Darstellung nach den Fachinformationen und den Beschlüssen des G-BA, Stand 25.10.2026.[2][3][6][7]
Für beide Arzneimittel nennen die Fachinformationen beim Gewichtsmanagement einen Ausgangs-BMI ab 30 oder ab 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung, jeweils als Ergänzung zu kalorienreduzierter Ernährung und mehr Bewegung.[2][3] Welches Präparat infrage kommt, hängt von Begleiterkrankungen, Verträglichkeit, Vorgeschichte und weiteren Medikamenten ab. Das entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Mehr zur Tablette steht unter Wegovy-Tabletten, zu den Kosten unter Mounjaro & Wegovy Preis.
Warum Ozempic nicht zum Abnehmen zugelassen ist
Ozempic wurde für Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickelt und zugelassen. Zum Gewichtsmanagement ist es nicht zugelassen.[1] Eine Anwendung außerhalb der Zulassung (Off-Label) ist eine ärztliche Einzelfallentscheidung. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Semaglutid zur Gewichtsreduktion nicht.[6]
Gibt es direkte Vergleichsstudien?
Ja, zum Beispiel SURPASS-2. Diese Studie hat Tirzepatid und Semaglutid 1 mg bei Menschen mit Typ-2-Diabetes direkt verglichen.[9] Ergebnisse solcher Studien beschreiben Mittelwerte unter Studienbedingungen. Sie ersetzen nicht die Abwägung im Einzelfall, bei der etwa Vorerkrankungen, andere Medikamente, Verträglichkeit, Kostenübernahme und deine Ziele eine Rolle spielen. Wir verzichten hier bewusst auf eine Rangfolge.
Kosten
Bei Typ-2-Diabetes können beide zulasten der gesetzlichen Krankenkasse verordnet werden.[6][7] Zum Gewichtsmanagement zahlst du Mounjaro in der Regel selbst. Die veröffentlichten Preise je Stärke findest du unter Mounjaro und Wegovy: Preise je Dosis, die Rechtslage unter Zahlt die Krankenkasse die Abnehmspritze?
Fragen für das Arztgespräch
- Welches Anwendungsgebiet liegt bei mir vor: Typ-2-Diabetes, Gewichtsmanagement oder beides?
- Welche meiner Vorerkrankungen und Medikamente sind für die Auswahl wichtig?
- Worauf muss ich bei Nebenwirkungen achten, und wann soll ich mich melden?
- Was kostet die Behandlung, und zahlt meine Versicherung?
- Was ist zu beachten, wenn ich eine Schwangerschaft plane oder hormonell verhüte?
Ein Wechsel von einem Präparat zum anderen ist ebenfalls eine ärztliche Entscheidung. Wenn du deine Anwendungen und dein Befinden notierst, kannst du im Gespräch konkret berichten: Abnehmspritze-Tagebuch: Verlauf dokumentieren.
Häufige Fragen
Kann ich selbst von Ozempic auf Mounjaro wechseln?
Nein. Es sind verschiedene Wirkstoffe, deren Stärken sich nicht einfach umrechnen lassen. Ob und wie gewechselt wird, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Haben Ozempic und Mounjaro die gleichen Nebenwirkungen?
Viele Nebenwirkungen sind ähnlich, vor allem Magen-Darm-Beschwerden zu Beginn. Es gibt aber Unterschiede im Detail, die in der jeweiligen Fachinformation stehen. Sprich bei Beschwerden mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Was ist besser, Ozempic oder Mounjaro?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Die beiden haben verschiedene Wirkstoffe und Anwendungsgebiete. Ozempic ist nur für Typ-2-Diabetes zugelassen. Welches Präparat für dich infrage kommt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Kann man Ozempic zum Abnehmen nehmen?
Ozempic ist nicht zum Gewichtsmanagement zugelassen. Für diese Anwendung ist mit demselben Wirkstoff Wegovy zugelassen. Eine Anwendung außerhalb der Zulassung ist eine ärztliche Einzelfallentscheidung, die gesetzliche Kasse zahlt sie nicht.
Ist Mounjaro dasselbe wie Ozempic?
Nein. Ozempic enthält Semaglutid, einen GLP-1-Rezeptoragonisten. Mounjaro enthält Tirzepatid, das zusätzlich auf den GIP-Rezeptor wirkt. Beide werden einmal wöchentlich gespritzt.
Zahlt die Krankenkasse Ozempic oder Mounjaro?
Bei Typ-2-Diabetes können beide zulasten der gesetzlichen Krankenkasse verordnet werden. Zum Gewichtsmanagement ist Mounjaro von der Erstattung ausgeschlossen; Ozempic ist dafür nicht zugelassen.
Quellen
Alle Links abgerufen am 25.10.2026.
- EMA: Ozempic, Produktinformation inkl. Gebrauchsinformation (deutsch). www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/ozempic-epar-product-information_de.pdf
- EMA: Mounjaro, Produktinformation inkl. Gebrauchsinformation (deutsch). www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/mounjaro-epar-product-information_de.pdf
- EMA: Wegovy, Produktinformation inkl. Gebrauchsinformation (deutsch), Fertigpens und Tabletten. www.ema.europa.eu/de/documents/product-information/wegovy-epar-product-information_de.pdf
- EMA: Ozempic, EPAR. www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/ozempic
- EMA: Mounjaro, EPAR. www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/mounjaro
- G-BA: G-BA vollzieht den gesetzlichen Verordnungsausschluss für das Abmagerungsmittel Wegovy nach. www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1170
- G-BA: Tirzepatid und Ritlecitinib als Lifestyle-Arzneimittel gelistet (20.09.2024). www.g-ba.de/service/fachnews/150
- Lilly Medical: Ist Mounjaro erstattungsfähig? medical.lilly.com/de/products/answers/ist-mounjaro-erstattungsf-hig-222288
- Frías JP et al. Tirzepatide versus semaglutide once weekly in patients with type 2 diabetes (SURPASS-2). N Engl J Med. 2021;385(6):503–515. doi:10.1056/NEJMoa2107519. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34170647